Starkbiersaison - Münchens 5.Jahreszeit

Die Starkbierzeit - in München als die 5.Jahreszeit bezeichnet - ist in diesem Jahr von 1.März bis zum 8.April 2017.

Zu verdanken haben wir dieses Ereignis der Fastenzeit, die nach katholischem Glauben von Aschermittwoch bis Ostern dauert. Besonders streng wurde in den Klöstern gefastet. Um diese Zeit des Darbens ein wenig zu erleichtern, kamen vor einigen Jahrhunderten die Paulaner-Mönche von der Au auf die Idee, ein besonders gehaltvolles und nahrhaftes Bier zu brauen - das Starkbier eben. Es soll anfangs noch nicht so gut geschmeckt haben. Den guten Geschmack hat erst Bruder Barnabas hinbekommen, ein Brauerssohn, der 1174 ins das Kloster eingetreten ist. Von dem kräftigen Bier wurden gewaltige Mengen konsumiert, denn das Trinken des Fastenbiers galt nicht als Sünde: "Flüssiges bricht das Fasten nicht". Ab 1780 wurde der Klostertrunk dann mit kurfürstlicher Erlaubnis auch an Dritte ausgeschenkt. Das "St.Vater-Bier" der Mönche wurde im Volksmund schon bald "Salvator" genannt. Beim ersten festaktartigen Salvatorabstich im Jahre 1780 hat Mönch Barnabas Kurfürst Karl Theodor den ersten Humpen Salvator mit den Worten "Salve pater patriae" (Heil dir Landesvater) überreicht. An diesem Brauch hat sich nichts geändert, wenn auch statt dem Kurfürst heute dem bayerischen Ministerpräsidenten die Ehre der ersten Salvator-Maß zuteil wird.

Auch wenn man das mit dem Fasten heute nicht mehr so genau nimmt, ist der Starkbierausschank in dieser Zeit zur Tradition geworden. Das Starkbier hat einen höheren Stammwürze-Gehalt als üblich (mindestens 18%), was an der goldgelben Farbe erkennbar ist. Auch der Alkoholgehalt ist mit ca.7,5% höher (sogenannter Doppelbock); das normale Münchner Bier vom Fass hat nur ca.3,5% Alkoholgehalt.

Alle großen Münchner Brauereien brauen ihr eigenes Starkbier, wobei die Namen alle auf "-ator" enden und so fast ein bisschen heilig klingen: Das Starkbier der Augustinerbrauerei heißt Maximator, das der Löwenbraurei Triumphator, das der Spatenbrauerei Optimator, das von Hacker-Pschorr Animator. Am bekanntesten aber ist das Original - der Salvator der Paulanerbrauerei.

Im Paulerkeller (früher Salvatorkeller) auf dem Nockherberg findet alljährlich auch das größte Spektakel der Starkbiersaison statt: Das berühmt-berüchtigte Politiker-Derbleck'n. In einer deftigen Fastenpredigt wird die Politprominenz abgekanzelt und in einem Singspiel werden bekannte bayerische und bundesdeutsche Politiker durch Doubles parodiert und kräftig derbleckt (durch den Kakao gezogen). Der besondere Reiz dabei ist, dass die meisten der derbleckten Prominenten persönlich anwesend sind. In diesem Jahr ist das Ereignis am 8.März. Der Eintritt ist allerdings nur geladenen Großkopferten vorbehalten. Man kann sich aber das Ganze auch im heimischen Pantoffelkino anschauern - das Bayrische Fernsehen überträgt live.

Mit dem Starkbierausschank beginnen die Brauereien zu unterschiedlichen Zeiten, wobei Löwenbräu üblicherweise den Anfang macht.

Starkbierausschank im Löwenbräukeller vom 10.März - 8.April 2017. Der Anstich ist bereits am 9.März abends mit einer Festrede des Kabarettisten Christian Springer. Neben der obligatorischen Blasmusik während der ganzen Starkbiersaison stehen auch Auftritte von Trachtengruppen, Wettbewerbe im Steineheben und die Wahl der Miss Triumphator auf dem Programm » Info

Starkbierausschank im Paulanerkeller auf dem Nockherberg (ehemaliger Salvatorkeller) vom 10.März - 2.April 2017 » Info

Die Starkbierveranstaltungen im Augustinerkeller beginnen in diesem Jahr schon am 4.März im Lagerkeller, ab dem 18.März auch im großen Festsaal, Dauer bis 8.April 2017 » Info.

Wer in der Zeit vom 1.März bis 8.April keine Möglichkeit hat, die Starkbierzeit in München mitzuerleben, kann getröstet werden. Zum einen gibt es noch den Maibock, zum anderen haben die Mönche vom Kloster Andechs das Privileg, das ganze Jahr über Starkbier brauen und auszuschenken zu dürfen. Der bedeutende Wallfahrtsort wird auch heute noch von hundertausenden Menschen pro Jahr aufgesucht, wobei die heutigen Wallfahrer mehr des Bieres wegen kommen. Besonders beliebt ist der dunkle Andechser Doppel-Bock, der selbst g'standene Mannsbilder vom Stangerl haut. Aber wenn man schon dort ist, sollte man vorher doch noch einen Blick in die prächtige Klosterkirche werfen, die als eine der schönsten Kirchen des Bayerischen Barock gilt.


Text © Rolf Gross für "München Erleben"
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